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Archiv für das 'Soforthilfe'-tag

Haiti – Leben im feuchten Zelt

Haiti -Die Situation nach dem Erdbeben ist für die Bevölkerung weiterhin nicht zufriedenstellend. Viele Menschen sind noch immer obdachlos oder leben in sehr behälfsmäßigen Zelten. Die Regenzeit hat begonnen, die wenigen verbliebenen Habseligkeiten schwimmen davon oder bleiben durch den ständigen Regen immer feucht. Die Zeltstädte wachsen weiter. Anstelle einer provisorischen Unterkunft werden sie für lange Zeit das Zuhause vieler Menschen sein. ‘Haiti – Leben im feuchten Zelt’ weiterlesen

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Karlsruhe – Informationsveranstaltung – Haiti

Karlsruhe – Sonntag, 18. April 2010

Haiti: Hoffnung inmitten von Trauer und Zerstörung

10:30 Uhr:
Einlass

10:30 Uhr:
Begrüßung; Geschäftsführer Heiko Seeger
Gedenken an die Opfer des Erdbebens, Markus Streit
Grußwort: Bürgermeister Michael Obert

11:00 Uhr:
Berichte über Haiti – vor und nach dem Erdbeben
Silvia Reiter, Nicole Kruß, Unternehmerinnen aus Karlsruhe
und Heiko Seeger ‘Karlsruhe – Informationsveranstaltung – Haiti’ weiterlesen

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Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 3

Fortsetzung von Teil 2:

Dr.  Peter Tinnemann nahm an UN-Treffen teil. Dadurch entstand auch die Zusammenarbeit mit einem US Krankenhausschiff. Auch Medikamente konnten beschafft werden. Die größten Organisationen kamen bei diesen Treffen zusammen, ebenso viele freiwillige Helfer. Es wurde gemeinsam eine Infrastruktur erstellt.

Das notdürftige UN-Hauptquatier von dem aus die Hilfe in Haiti koordiniert wird.

Das notdürftige UN-Hauptquatier von dem aus die Hilfe in Haiti koordiniert wird.

Unterkünfte der UN-Soldaten

Unterkünfte der UN-Soldaten

Die UN hatte den größten Teil ihrer Lagerzentren verloren und eine nicht unerhebliche Anzahl an Mitarbeitern.

Senator Edwards hat in seinem Privatflieger mehrere Patienten in die USA ausgeflogen.

Senator Edwards besuchte Haiti und flog Verletzte mit seinem Privatflieger in die USA aus.

Senator Edwards besuchte Haiti und flog Verletzte mit seinem Privatflieger in die USA aus.

Die Auswirkungen, die das Erdbeben auf die zivile Infrastruktur hat, sind mit keinem anderen Beben in der Vergangenheit vergleichbar. Das Erdbeben war sehr stark. Die Häuser in Haiti waren absolut nicht erdbebensicher gebaut, es war eine sehr kostengünstige Bauweise aus einer Mischung aus wenig Zement und viel Sand – eine unkontrollierte Bauweise. Im Gegensatz dazu ist unser Krankenhaus sehr stabil konstruiert.

In der Stadt waren viele Straßen gesperrt, die Menschen übernachteten auf den Straßen aus Angst vor Nachbeben.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Man musste mit ihnen sprechen und die Nachbeben erklären. Dr. Peter Tinnemann hat ein Nachbeben miterlebt – innerhalb von drei Minuten war das gesamte Krankenhaus evakuiert.

Innerhalb einer Woche entstanden die Zeltstädte, die ersten waren nicht organisiert. Es gab kein Wasser, keine Nahrungsmittel, keine Toiletten, Exkremente liegen überall. Durchfallerkrankungen werden stark befürchtet mit Einsetzen der Regenzeit. Es gab jeden Tag ein UN Meeting zur Gesundheit und eines zur sanitären Versorgung.

Eine typische Zeltstadt in Port-au-Prince.

Eine typische Zeltstadt in Port-au-Prince.

Eine typische Notunterkunft in einer der Zeltstädte.

Eine typische Notunterkunft in einer der Zeltstädte.

Es gibt auch Camps mit mehreren 10.000 Menschen. Die Menschen wollen nicht aus der Stadt ausquartiert werden.

Ein Blick auf eine Zeltstadt in der Nähe des St. Damien Krankenhauses.

Ein Blick auf eine Zeltstadt in der Nähe des St. Damien Krankenhauses.

Als Dr. Petter Tinnemann den Eindruck hatte, dass das St. Damien Krankenhaus gut funktioniert, zog er gemeinsam mit den Mitarbeitern des St. Luke Programms in die Camps, um die Menschen dort zu versorgen. Sie waren „ein Funken der Hoffnung“, versorgten die Verletzten und gaben ihnen Wasser. Die Menschen erkundigten sich nach den Straßenschulen. Es gab kein Chaos bei der Versorgung, die Menschen standen alle ordentlich in der Schlange.

IIn einer Zeltstadt weißt ein Schild auf des Zelt des lokalen Polizisten hin.

In einer Zeltstadt weißt ein Schild auf des Zelt des lokalen Polizisten hin.

In den Slums frisieren sich die Frauen

In den Slums frisieren sich die Frauen

Dr. Peter Tinnemann war auch in Léogane. Léogane war am nächsten am Epizentrum des Erdbebens dran. 90% der Stadt sind zerstört. Viele Menschen haben die Städte verlassen und sind aufs Land gezogen. Sie sind damit aus dem Blickfeld der Hilfeleistungen geraten. Die Ressourcen sind nicht gleich verteilt. Die ländlichen Gegenden sind extrem arm, teilweise nicht landwirtschaftlich zu bebauen.

Zerstörte Gebäude

Zerstörte Gebäude

Ein Schild weißt auf benötigte Hilfe hin.

Ein Schild weißt auf benötigte Hilfe hin.

Es ist sehr staubig in der Stadt, es herrscht eine große Luftverschmutzung – Atemwegsinfektionen und Lungenentzündungen werden befürchtet.

Die haitianische Regierung ist nicht arbeitsfähig – sie hat Mitarbeiter, Gebäude und Akten verloren. Sie ist selbst geschockt. Sie macht im Moment nicht viel für die Bevölkerung, sondern braucht Hilfe von außerhalb.
Die Haitianer hoffen, dass die internationale Gemeinschaft ihnen hilft. Die ganze Welt weiß von Haiti. Es gibt viele clevere Leute dort, sie sind bereit harte körperliche Arbeit zu leisten. In Haiti ist ein Neuanfang laut Dr. Peter Tinnemann sehr viel versprechend.

Ein findiger Händler in den Slums bietet eine Handy-Ladestation an.

Ein findiger Händler in den Slums bietet eine Handy-Ladestation an.

Haiti hat kein Militär. Tinnemann kann Kritik am US Militär nicht nachvollziehen:

“Es war notwendig, dass sie den Flughafen übernahmen.”

Dr. Peter Tinnmemann ist zum Ende seines Einsatz mit dem von der Bild-Aktion “Ein Herz für Kinder” gesponserten Hubschrauber in die Dominikanische Republik ausgeflogen worden. Von dort trat er den Rückflug nach Deutschland an.

Dr. Peter Tinnemann auf dem Rückweg nach Deutschland

Dr. Peter Tinnemann auf dem Rückweg nach Deutschland

Die Organisation UNSERE KLEINEN BDÜRDER UND SCHWESTERN hat laut Dr. Peter Tinnemann einen ganz anderen Zugang zu den Menschen in Haiti als andere Organisationen:

“Sie sind hautnah dran, auch an den ärmsten Gegenden.”

Dr. Peter Tinnemann war beeindruckt und überwältigt von der Unterstützung vor Ort und von der Medienpräsenz in Haiti. Doch als er nach Deutschland zurückkam, war Haiti aus der Medienlandschaft fast schon verschwunden. Als der Alltag im Krankenhaus einkehrte, waren auch die Medien weg.

Dr. Peter Tinnemann plant im März wieder nach Haiti zu reisen.

“Es gibt noch so viel zu tun.”

Dr. Peter Tinnemann schaut nach einem kleinen Patienten.

Dr. Peter Tinnemann schaut nach einem kleinen Patienten.

Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 2
Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 1

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Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 2

Fortsetzung von Teil 1:

Nicht nur die Schwerverletzten mussten versorgt werden, sondern auch alle anderen Menschen auf dem Krankenhausgelände. Es wurde täglich Essen für alle vorbereitet und ausgegeben. Ein italienischer Bäcker backte jeden Tag Pizzabrot für alle. Laut Dr. Peter Tinnemann verlief die Essenausgabe stets ganz zivilisiert.

Ein italienischer Bäcker verteilt Pizzabrot im Hof des Krankenhauses.

Ein italienischer Bäcker verteilt Pizzabrot im Hof des Krankenhauses.

Sowohl Patienten als auch Angestellte hatten Angst das Gebäude zu betreten. Dr. Peter Tinnemann sagte, das Krankenhaus war gespenstisch leer, die Betten verlassen, Essen und Medikamente lagen herum. Die Schwestern hatten sich im Freien kleine Stationen eingerichtet. Die Patienten wurden später ganz sensibel daran gewöhnt sich dem Gebäude wieder zu nähern. Anfangs wurden sie nur auf dem Flur untergebracht und dann nach einigen Tagen nach und nach ins Gebäude verlegt.

Patienten lagern vor dem Krankenhaus.

Patienten lagern vor dem Krankenhaus.

Betten mit Patienten stehen im Innenhof unter Sonnenschutzplanen.

Betten mit Patienten stehen im Innenhof unter Sonnenschutzplanen.

Dr. Peter Tinnemann schlief nachts auf einer Matratze auf dem Dach des Krankenhauses. Es war sehr kalt.

Schlafplätze der freiwilligen Helfer auf dem Dach des Krankenhauses.

Schlafplätze der freiwilligen Helfer auf dem Dach des Krankenhauses.

Blick auf das Krankenhaus St. Damien.

Blick auf das Krankenhaus St. Damien.

Nach drei Tagen wurde das erste Kind im Krankenhaus geboren.

Ein Neugeborenes auf der Neugeborenen-Station

Ein Neugeborenes auf der Neugeborenen-Station

Stolze Eltern auf der Neugeborenen-Station von St. Damien

Stolze Eltern auf der Neugeborenen-Station von St. Damien

Langsam kehrten immer mehr Mitarbeiter zurück, Apotheker, Krankenschwestern, sowie das Reinigungspersonal. Es wurde sehr auf Hygiene geachtet.

Behandlung eines verletzten Kindes.

Behandlung eines verletzten Kindes.

Ärzte bei der täglichen Besprechung im Krankenhaus St. Damien.

Ärzte bei der täglichen Besprechung im Krankenhaus St. Damien.

Neben dem Krankenhaus befanden sich zwei Zelte der UN, in denen Kinder untergebracht wurden, die jemand aus den Trümmern der Krankenhauses in der Stadt gerettet und ins St. Damien gebracht hatte. Die Kinderabteilung dieses Krankenhauses war nach dem Erdbeben komplett kollabiert. Schwestern kümmerten sich Tag und Nacht um diese Kinder. Viele waren geistig und körperlich behindert. Gena und ihr Team nahmen sich der Kindern an und beschützten sie vor überstürzten Adoptionen.

Die Menschen übernachten im freien vor dem Krankenhaus.

Die Menschen übernachten in Zelten vor dem Krankenhaus.

St. Damien war das einzige funktionierende Kinderkrankenhaus in ganz Port-au-Prince, woraufhin Dr. Peter Tinnemann auch anderen Organisationen anbot, verletzte Kinder zu uns zu bringen. „Ärzte Ohne Grenzen“ brachte täglich etwa 10 Kinder. Auch die Angehörigen der Patienten erhielten einen Schlafplatz im St.Damien.

Kind mit einem amputierten Bein im Krankenhaus St. Damien.

Kind mit einem amputierten Bein im Krankenhaus St. Damien.

Patienten mit Bauch- oder Brustverletzungen hatten keine Überlebenschancen. Die meisten Patienten im Krankenhaus hatten Verletzungen an den Extremitäten, Weichteilverletzungen, Knochenbrüche, Kopfverletzungen, Wirbelsäulenverletzungen und Gesichtsverletzungen.

Gesichtsverletzungen bei einem Mädchen nach dem Erdbeben.

Gesichtsverletzungen bei einem Mädchen nach dem Erdbeben.

Glücklicherweise bestand die Blutbank noch und versorgte das Krankenhaus mit Blutkonserven.

Ein mobiles OP-Team aus der Dominikanischen Republik, bestehend aus sechs Chirurgen, kam ins St. Damien Krankenhaus. Sie hatten sich ganz schnell organisiert und waren bereit die Gipse für die Verletzten herzustellen und anzulegen. Auch einer der bekanntesten Ärzte der Dominikanischen Republik war unter ihnen. Die italienische Hilfsorganisation „Protezione Civile“ baute in Zelten mobile OPs auf. Sie hatten auch ein mobiles Röntgengerät dabei, das sehr hilfreich war. Auch zahlreiche Ärzteteams aus den USA kamen. Dr. Peter Tinnemann lobte das Engagement der ausländischen Helfer. Es gab ausreichend Mediziner, jedoch einen Mangel an Pflegepersonal.

Behandlung von Patienten im Krankenhaus St. Damien.

Behandlung von Patienten im Krankenhaus St. Damien.

Nach 10 Tagen kamen immer noch Patienten, die nur notdürftig versorgt worden waren und suchten im St. Damien Krankenhaus Hilfe.

Das St.Damien Krankenhaus verfügt über drei Brunnen, so dass alle Menschen mit Wasser versorgt werden konnten. Es konnte sogar Wasser außerhalb des Krankenhauses verteilt werden.

Essensverteilung an die Bevölkerung durch Mitarbeiter des Outreach-Programm

Essensverteilung an die Bevölkerung durch Mitarbeiter des Outreach-Programm

Nach ein paar Tagen kamen Sozialarbeiter und boten den Menschen psycho-soziale Unterstützung. Die Menschen hatten das Bedürfnis ihre Geschichten zu erzählen, sie mussten ihr Leid verarbeiten.

Dr. Peter Tinnemann sorgte langsam für Ordnung auf dem Krankenhausgelände. Er war nach eigenen Angaben die meiste Zeit am Telefon und hat wenig am Patienten gearbeitet. Tinnemanns Aufgabe war es auch die Ärzteteams zu organisieren und die Ausstattung zu koordinieren. Die Kommunikation wurde besser. Tinnemann und eine amerikanische Kollegin dienten als Bindeglied zwischen den einheimischen Mitarbeitern und den ausländischen Helfern.

Dr. Peter Tinnemann stimmt sich über das Satellitentelefon mit Deutschland ab.

Dr. Peter Tinnemann stimmt sich über das Satellitentelefon mit Deutschland ab.

Regelmäßig kamen Transporte mit Ausrüstung und Medikamenten aus der Dominikanischen Republik an. Dr. Peter Tinnemann berichtete, dass es keine großen Probleme gab Transporter von der Dominikanischen Republik nach Haiti zu schicken – Dank der guten Zusammenarbeit und dem Bekanntheitsgrad von NPFS.

Ankunft einer Hilfslieferung im Krankenhaus St. Damien.

Ankunft einer Hilfslieferung im Krankenhaus St. Damien.

Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 3
Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 1

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Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 1

Dr. Peter Tinnemann war vom 5.01.2010 bis 5.02.2010 im Einsatz in Haiti in unserem Krankenhaus St. Damien. Er arbeitet an der Charité in Berlin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsmedizin. Seine Karriere hatte vor über 10 Jahren in Haiti begonnen.

Dr. Peter Tinnemann vor 10 Jahren in unserem Kinderkrankenhaus in Haiti. Foto: Dr. Peter Tinnemann

Dr. Peter Tinnemann vor 10 Jahren in unserem Kinderkrankenhaus in Haiti. Foto: Dr. Peter Tinnemann

In einem Vortrag im Büro von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN E.V. in Karlsruhe schilderte er mit zahlreichen Fotos nicht nur das Leid der Menschen, sondern auch welche Fortschritte im Laufe seines Einsatzes erreicht wurden. Eine kurze Zusammenfassung gibt seine Erzählungen wieder:

Dr. Peter Tinnemann konnte problemlos von der Dominikanischen Republik nach Haiti einreisen. Nicht einmal die Pässe wurden kontrolliert. Am Morgen nach seiner Ankunft unternahm er eine Rundfahrt durch Port-au-Prince, um sich ein Bild zu verschaffen, wie viele Verletzte noch zu erwarten waren. Zu diesem Zeitpunkt wurden kaum noch Verletzte geborgen.

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Er zeigte Bilder des eingestürzten Padre Wasson Centers. Dort hatte er 10 Jahre zuvor gearbeitet. Das Gebäude war komplett zusammengefallen. Zwei seiner alten Kollegen hatten geholfen die Verschütteten zu bergen.

Das eingestürtzte Father Wasson Center

Das eingestürtzte Father Wasson Center

In direkter Umgebung des Krankenhauses St. Damien standen viele Häuser plötzlich nicht mehr.

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Der Innenhof des Krankenhauses war überfüllt mit Menschen, man wusste nicht ob sie verletzt waren oder ob es sich um Angehörige von Verletzten handelte oder Menschen, die einfach nur Unterschlupf suchten. Alle Menschen befanden sich außerhalb des Krankenhausgebäudes.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Zu Beginn war es unmöglich sich einen Überblick über die Patienten und über die Schwere ihrer Verletzungen zu verschaffen. Ein italienisches Ärzteteam hat die dringenden Notfälle behandelt, doch eine Liste mit Prioritäten gab es nicht. Die Situation war unvorstellbar. Es gab die doppelte oder gar dreifache Menge an Patienten, als normalerweise. Aber nur ein Drittel der Belegschaft war in den ersten Tagen anwesend und einsatzbereit.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Pater Richard Frechette hatte Dr. Peter Tinnemann gebeten, „etwas Ordnung“ in die Versorgung der Patienten zu bringen. Seine Hauptaufgabe bestand in der Organisation des Krankenhauses und in der Koordination der Hilfseinsätze. Er errichtete ein Triage-Zentrum, so dass alle Patienten gesehen und  versorgt wurden. Patientenakten zu führen war zu Beginn unmöglich, deshalb haben die Ärzte auf den Gips der Patienten geschrieben, wann dieser angelegt wurde.

Behandlung von Patienten im freien vor dem Krankenhaus.

Behandlung von Patienten im freien vor dem Krankenhaus.

Die notdürftige Apotheke im Vorhof des Krankenhauses.

Die notdürftige Apotheke im Vorhof des Krankenhauses.

Laut Dr. Peter Tinnemann bildeten die haitianischen Angestellten und Pequenos Majores das Rückgrat in der katastrophalen Situation. Sie packten überall an, wo Hilfe benötigt wurde. Während die italienischen Ärzte sich nach ihren vielen OPs schlafen gelegt haben, hat ein junger Haitianischer Arzt nachts noch die OPs geputzt. Dr. Peter Tinnemann war überwältigt von der haitianischen Hilfsbereitschaft. Medizinstudenten kamen ins St. Damien Krankenhaus und boten ihre Hilfe beim Übersetzen an. Es kamen Helfer aus allen sozialen Schichten.

Ärzte behandeln Patienten vor dem Krankenhaus St. Damien.

Ärzte behandeln Patienten vor dem Krankenhaus St. Damien.

Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 2

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Begleitung eines Hilfstransports nach Haiti

Am 13. Februar 2010 begleitete ich einen der vielen Hilfstransporte aus der Dominikanischen Republik ins haitianische Krankenhaus St. Damien in Tabarre. Im folgenden ein Abriss meiner Erlebnisse.

Der Konvoi nach Haiti startet pünktlich um Mitternacht vom Heim von „Unsere Kleinen Brüder und Schwestern“ in der Dominikanischen Republik.

Abfahrt des Hilfstransports um Mitternacht in der Dominikanischen Republik

Abfahrt des Hilfstransports um Mitternacht in der Dominikanischen Republik

Er besteht aus einem Bus, der mit Hilfsgütern und einer kleineren Gruppe von Amerikanern beladen ist, die gekommen sind um vor Ort zu helfen. Weiterhin dabei sind 2 Pickup-Trucks, die u.a. medizinisches Gerät liefern und in Haiti verbleiben werden, um dort wichtige Transporte zu erledigen. Und dann ist da noch der Laster, der bis unter das Dach mit verschiedenen Hilfsgütern (Matratzen, ein Kühlschrank, Babynahrung, Kochsalzlösungen, Thunfischdosen, etc.) beladen ist. Colin, der Fahrer, ist erst vor wenigen Tagen aus San Francisco gekommen. Für 5 Wochen will er hier bleiben und helfen, Güter aus der Dominikanischen Republik nach Haiti zu bringen. Er hatte von meinem Interesse gehört und gefragt ob ich als Kopilot mitkommen möchte. Und hier sind wir nun – zwei „Gringos“, unterwegs auf unbekanntem Terrain, auf mit Schlaglöchern übersäten Straßen.

Tanken in der Dominikanischen Republik vor der Einreise nach Haiti

Tanken in der Dominikanischen Republik vor der Einreise nach Haiti

Im Morgengrauen hält der Konvoi noch auf der dominikanischen Seite um das letzte Mal aufzutanken – zu unsicher wäre es, auf die Verfügbarkeit von Diesel in Haiti zu vertrauen. Gegen 7 Uhr passieren wir die Grenze. Kontrolliert werden wir nur auf der dominikanischen Seite.

Grenzkontrolle bei der Ausreise aus der Dominikanischen Republik nach Haiti

Grenzkontrolle bei der Ausreise aus der Dominikanischen Republik nach Haiti

Dann rollen wir weiter und  treffen inzwischen auf andere Transporte, die in Richtung Port-au-Prince unterwegs sind. Die ganze Szenerie scheint unwirklich: der Staub der unbefestigten Straße hat Bäume weiß eingefärbt, wir passieren einen großen See, der offensichtlich stark angestiegen ist und die Bäume und Gebäude teilweise überschwemmt.

Hilfstransport auf der Fahrt nach Haiti

Hilfstransport auf der Fahrt nach Haiti

Und immer wieder kommen uns in diesem Niemandsland kleinere Gruppen von Haitianern zu Fuß entgegen. Wir überlegen woher sie kommen und wohin sie gehen, aber es bleibt uns ein Rätsel. Später sehen wir ein Fort der UN, die Blauhelme winken uns von einem gepanzerten Fahrzeug aus zu. Auf beiden Seiten der Hauptstraße sehen wir nun in unregelmäßigen Abständen die Zeltstädte, die in den letzten Wochen seit dem Erdbeben aus dem Boden gewachsen sein müssen.

Menschen am Straßenrand auf der Fahrt nach Port-au-Prince.

Menschen am Straßenrand auf der Fahrt nach Port-au-Prince.

Einige der Konstruktionen sind mit Plastikfolien überdeckt, andere lediglich mit Bettlaken. Die Menschen auf der Straße beobachten die durchkommenden Transporte sehr genau. Einige – vor allem Kinder – winken und rufen uns etwas auf kreolisch zu. Andere starren uns nur an und ich kann ihnen die Frustration an den Augen ablesen. Nach 9 Stunden erreichen wir das Krankenhaus St. Damien von „Unsere Kleinen Brüder und Schwestern“ in Tabarre und sind überrascht wie groß es ist und wie organisiert es hier zugeht.

Das Krankenhaus St. Damien in Tabarre, Haiti

Das Krankenhaus St. Damien in Tabarre, Haiti

Um die Gebäude des Hospitals wurden viele Zelte installiert. Überall herrscht ein reges Treiben. Ich sehe Helfer aus der ganzen Welt – Deutsche, Spanier, Amerikaner, Kanadier und viele Italiener. Das Team von LandsAid hat vor dem Krankenhaus ihr Basislager aufgeschlagen. Immer wieder landen große Hubschrauber.

Hubschrauber starten und landen nahe des Krankenhauses St. Damien

Hubschrauber starten und landen nahe des Krankenhauses St. Damien

Der italienische Zivilschutz ist für die öffentliche Sicherheit zuständig und organisiert auch die ankommenden Transporte.

Italienischer Zivilschutz in St. Damien

Italienischer Zivilschutz in St. Damien

Wir stehen in einer Schlange mit anderen Lastwagen und müssen warten, bis wir zur Rampe des großen Lagergebäudes durchgelassen werden. Viele Angestellte helfen nun, die Dinge auszuladen und geordnet im Lager unterzubringen. In diesem Treiben finde ich einen Moment um mich mit Pater Rick Frechette, dem Direktor von „Unsere Kleinen Brüder und Schwestern“ in Haiti, auszutauschen. Alfonso León, ein Mexikaner und Leiter des Outreach-Programmes nimmt mich später in seinem Auto mit und erklärt mir die momentan größten Probleme, die Organisation vor Ort, die Verteilung der Hilfsgüter, etc.

Ausladen des Hilfstransports in St. Damien

Ausladen des Hilfstransports in St. Damien

Auch finde ich noch die Zeit mir das Krankenhaus genauer anzuschauen. Ich sehe viele Menschen mit amputierten Gliedmaßen, werde in einen Saal geführt, in dem Mütter mit ihren Neugeborenen untergebracht sind. Welch schöner, wenn auch immer noch bedrückender Anblick – das Geschehene ist einfach allgegenwärtig!

Patienten vor dem St. Damien Krankenhaus

Patienten vor dem St. Damien Krankenhaus

Gegen 14:30 Uhr verlassen wir mit unserem leeren Laster St. Damien. Neun lange Stunden Fahrt in die Dominikanische Republik liegen vor uns. Wir müssen die Eindrücke erst noch verarbeiten, sind erschöpft aber gleichzeitig zufrieden. Denn unsere Lieferung ist angekommen und wir wissen, dass die Dinge den Menschen in Haiti helfen.

Diesen Bericht schickte uns Martin Weissgerber.
Er ist als Länderkoordinator für MyGoodShop derzeit in der Dominikanischen Republik und Haiti.

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Tagescamp für gefährdete und vertriebene Kinder in Haiti

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Geschwister im Tagescamp

Der 8-jährige Luke und seine 6-jährige Schwester Violetta waren ausser sich vor Freude, im Tagescamp einzutreffen. Diese 6 Stunden Aufenthalt am Tag geben ihnen Gelegenheit aus ihrer Behelfsunterkunft heraus zu kommen, weg aus dem zerstörten Viertel, wo sie leben. Es liegt nur 5 Straßenzüge entfernt vom St. Damien Kinderkrankenhaus entfernt. Genannt wird es “Das Viertel in der Nähe der amerikanischen Botschaft”. Es ist eines von insgesamt 4 Vierteln, die von unserem Team betreut werden.

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Geschwister vor ihrer Behelfsunterkunft im Viertel

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Transport der Kinder von und zu ihren Behlfsunterkünften

Die Kinder werden um 7.oo Uhr morgens abgeholt und um 15.00 Uhr zurück gebracht. Ältere Mitbrüder oder Jugendliche, die in unserem Heim in Haiti aufwuchsen, organisieren Aktivitäten und bereiten Essen für die Kinder. Sie werden vom Programmleiter Alfonso Leon und dem Sozialarbeiter Philippe beaufsichtigt und angeleitet.

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Ältere "Pequenos" beschäftigen sich mit den Kindern.

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Betreuer und Kinder des Tagescamps

Heute stand auf dem Tagesplan Singen, ein Segen von Pater Rick, Karaoke, Fußball, Seilspringen, gespielte Sketche und eine Lese-Stunde.

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Gottestdienst von Pater Rick für die Kinder

Kurz nachdem die 86 Kinder ankamen, aßen sie frische Weizenbrötchen aus unserer Bäckerei in Francisville mit Erdnussbutter und einem Glas Milch. Zum Mittag gab es Reis, Bohnen, Würstchen, Blattsalat, Tomaten und Maissalat.

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Die Kinder bekommen Mahlzeiten

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Die Kinder bekommen Milch und Mahlzeiten.

Luke erklärte uns, dass seine Familie seit dem Beben wenig zu essen habe. Violetta sagte, dass es ihr im Tagescamp gefällt und dass sie jeden Tag kommen möchte. Gegenwärtig haben die Kinder der einzelnen Viertel aber nur im Rotationsverfahren Zugang zum Camp.

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Über 30 ältere „Pequenos“ (spanisch für Brüder) sind der Schlüssel, um aus diesem Vorhaben einen Erfolg zu machen. Nachdem sie selbst viele persönliche Verluste erleiden mussten, haben sie die innere Kraft, diesen Kindern beizustehen und für sie eine besondere Atmosphäre zu schaffen. Es ist wahrhaftig ein Zeugnis für Wassons Philosophie des Teilens und praktizierter Wohltätigkeit.

Tagescamp für Kinder nach Erdbeben

Die Kinder erhalten Wasser im Tagescamp.

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Anforderungen an Helfer in Haiti

Zusammengefasst noch einmal die wichtigsten Voraussetzungen, die Helfer in unseren Einrichtungen in Haiti erfüllen müssen.

Um unsere Hilfsarbeit nicht zu behindern,  setzen Sie sich bitte nur mit uns in Verbindung, wenn Sie alle diese Anforderungen erfüllen!

  • Erfahrungen in Haiti
  • Erfahrung in Katastrophengebieten
  • gute Sprachkenntnisse in Kreol oder sehr gutes Französisch
  • Krankenschwestern oder medizinisches Fachpersonal  (andere Profile setzen wir auf eine Liste, um sie ggf. später zu kontaktieren)
  • hohe Bereitschaft, sich den Umständen und dem Bedarf vor Ort flexibel anzupassen
  • alle Kosten müssen selber übernommen werden

Kontaktanfragen bitte nur an: volunteers@nphamigos.de

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Aktion „Schulen für Haiti“ ruft ganz Deutschland zur Hilfe auf

Haitis Erdbebenopfer sind auf Hilfe angewiesen

Das Erdbeben in Haiti zerstörte das Leben Tausender. Haitis Regierungschef spricht von 100.000 Toten. Vor allem die Hauptstadt Port-au-Prince und die bevölkerungsreichen Slums der Stadt sind stark betroffen. „Schulen für Haiti“ ist eine von den Schauspielerinnen Alissa Jung und Janin Reinhardt ins Leben gerufene Spendenaktion. Die jungen Frauen rufen Deutschlands Schüler auf, sich für die ärmsten der Armen, die Kinder in den Slums von Haiti, zu engagieren. Durch die Aktion unterhalten Jung und Reinhardt zwei Straßenschulen in Port-au-Prince. Momentan ist noch unklar, ob die beiden Schulen das Erdbeben überstanden haben und die Kinder am Leben sind. Spenden werden dringend gebraucht, um Soforthilfe zur Verfügung zu stellen.

Erst vor wenigen Wochen waren die beiden Schauspielerinnen selbst in Haiti und haben sich ein Bild der Situation vor Ort gemacht. “Wir sind unendlich traurig und entsetzt über die Ausmaße des Erdbebens in Haiti. Wir stehen in engem Kontakt mit den Mitarbeitern des Kinderhilfswerks “Unsere kleinen Brüder und Schwestern” und mussten mit Schrecken erfahren, dass einige der Mitarbeiter und Freiwillige, die uns noch vor fünf Wochen so warm in Haiti aufgenommen haben, verschüttet sind“, erklärten Jung und Reinhardt. „Leider gibt es bislang noch keine Informationen aus den Slums, wodurch wir noch nicht wissen, wie es unseren beiden Schulen „Fond Peje“ und „Mixte de La Grace“ und den 608 Kinder geht.“ Auch das ehemalige Krankenhaus der Hilfsorganisation „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“, das seit drei Jahren als Behinderteneinrichtung genutzt wird, ist eingestürzt. Eine amerikanische Freiwillige der Organisation wurde lebend gerettet, ihr Bruder hingegen starb unter den Trümmern. Die beiden Schauspielerinnen rufen jetzt ganz Deutschland dazu auf, den Kindern und Menschen zu helfen. „Mehr denn je ist Haiti nun auf Hilfe von uns angewiesen. Es werden Bagger, Tanklastwagen für Wasser und LKWs benötigt, deswegen haben wir uns dazu entschlossen, das Geld, welches auf unser Sonderkonto eingeht, für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ haben Helfer vor Ort, die mit diesem Geld Nothilfe in Haiti leisten werden. In Gedanken sind wir bei unseren Freunden und den Kindern in Haiti.”

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Stichwort: Erdbeben Haiti

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