Port-au-Prince, 26. Februar 2010 – Wenn man heute durch Port-au-Prince fährt, erfreut es das Herz, wenn man die kleinen Zeichen der Verbesserung sieht: Männer haben große Mengen Müll in den Straßen eingesammelt, Gräben wurden gezogen bzw. gereinigt und in hellgelbe USAID-Shirts gekleidete Leute waren emsig damit beschäftigt, den Schutt wegzuräumen. Diese traumatisierte Stadt aus bröckelnden Häusern und Zeltsiedlungen kehrt zur Normalität zurück. Die Märkte sind offen, und ein Strom von Händlern und Anbietern verkauft Gemüse, Haushaltswaren, Hähnchen… Ein neuer Geschäftszweig scheint sich aufgetan zu haben, um den wachsenden Bedarf der Leute zur Errichtung von Zelten zu decken: Faustdicke Äste werden an den Ecken verkauft, und die Menschen werkeln inmitten der Zeltstädte an der Errichtung neuer Unterkünfte. Diese neuen Heime bestehen aus Ästen, an denen man Decken und Zeltplanen befestigt, um Wände und Dächer zu haben.
Als wir unser letztes update schrieben, gab es Patienten, die außerhalb des Krankenhauses im Innenhof untergebracht worden waren. Für unser medizinisches Personal war es schwierig ein hohes Niveau an medizinischer Versorgung aufrecht zu erhalten, aber sie schafften es doch. Eine Säuglingsschwester schaffte es sogar, einer in den Wehen liegenden Frau eine Bluttransfusion zu geben, obgleich es wegen der Hitze Stunden länger dauerte.
Nach der 2. Nacht im Freien konnte Father Rick alle überzeugen wieder in das Haus zurück zu kehren. Er erklärte ihnen, dass auch er im Hospital lebe und dass er es in einem Notfalle nicht verlassen würde, bis alle anderen draußen und sicher wären. Er erklärte, dass er Zelte haben errichten lassen, die man im Falle eines neuerlichen Erdbebens sofort nützen könne. An diesem Tage waren italienische Techniker gekommen und haben sich wieder einmal des Hauses angenommen. Sie schlugen außen einigen Zement ab und prüften die Stärke der Träger. Die bauliche Struktur des Krankenhauses ist gesund. Als sie dies hörten, glaubten die Patienten ihm und an ihn und gingen wieder hinein.
Die ersten Prothesen sind eingetroffen
Gestern sahen wir im Kay St. Germaine zu unserer grossen Freude ein kleines Wunder. Der 10-jährigen Leel Ulysse war nach dem Beben der rechte Fuß amputiert worden. Gestern wurde sie mit einer Fußprothese ausgestattet. Die Prothese wurde von einem italienischen Techniker-Team hergestellt, das für eine Woche bei uns ist und einen Container voll mit modernster Ausrüstung mitgebracht hat, alles gestiftet. Weitere Teams werden kommen und dieses Material verwenden. Insgesamt konnten sie in 2 Tagen 10 Kindern Prothesen anpassen.
Mutterschaft und Neugeborenen-Station
Dort war es die letzten Tage ruhig, da es keine Nachbeben gegeben hatte. Für die Mütter ist es viel besser, drinnen aufgehoben zu sein, und wir sind froh dass sie wieder im Haus sind. Auf dieser Station wurden seit Inbetriebnahme nach dem Beben 45 Säuglinge geboren worden. 2 gesunde Säuglinge kamen in der letzten Nacht zur Welt. Ein hübsches dickes Mädchen wurde vor 2 Tagen geboren und von den Eltern nach Alison, unserer wunderbaren Säuglingsschwester, benannt. Alison wird nun auch Patin fuer ihre kleine Namensvetterin. Männliche Zwillinge wurden heute Nacht dort eingeliefert, 2,5 bzw. 1,5 kg schwer.
Krankenhaus St.Damien
Das Krankenhaus ist nun schätzungsweise zu 90% in dem Zustand, in dem es vor dem Beben war. Es gibt 130 stationäre Kinder, sowie täglich 100 ambulante Patienten und 30 ambulante orthopädische Fälle. Alle erwachsenen postoperativen Fälle haben das Krankenhaus verlassen, von denen eine Hand voll draußen am Haupteingang in einem Zelt zur weiteren Behandlung verbleibt.
Seit unser St. Damien Krankenhaus nun als das orthopädische Zentrum Haitis betrachtet wird, kommen kontinuierlich Patienten, um Dienste wie die Amputationsrevision, Verbandswechsel oder Physiotherapie in Anspruch zu nehmen.
Die Arbeit im italienischen Chirurgie-Zelt wurde fuer den Moment eingestellt, da der Bedarf an chirurgischen Leistungen ein wenig zurückgegangen ist. Aber die Italiener haben ihre gesamte Ausstattung incl. eines EKG-Gerätes, Ultraschall und einem kompletten OP-Tisch mit allem Zubehör da gelassen. Das italienische Zivil-Militär wird bleiben und uns noch einige Monate lang helfen. Diese Woche errichteten sie ein Stützgerüst rund um die Kapelle, und sie helfen ebenfalls St. Luke bei der Lebensmittel-Verteilung.
Im Bereich der Patientenversorgung unterstützen sie uns mit Hubschrauber-Flügen von Patienten auf ihr Basisschiff, um dort besondere Scanning-Prozesse auszuführen.
Die beiden OP-Säle im St. Damien arbeiten weiter. Einer wird nur für orthopädische Operationen eingesetzt, der andere dient der allgemeinen Chirurgie, die von dem einheimischen, auf Kinderchirurgie spezialisierten Dr. Jeudy, wahrgenommen wird. Dr. Tom Green und sein orthopädisches Spezialistenteam aus Seattle reist morgen nach einem Monat Arbeit ab. In dieser Zeit führten sie mehr als 300 chirurgische Operationen aus (das Photo von heute zeigt einen gebrochenen Oberschenkel-Knochen).
Im Anschluss an die Nachbeben der Stärke 4,7 am Sonntag und am Montag hat die Krankenhaus-Leitung einen Standard-Evakuierungsplan ausgearbeitet. Jede Abteilung hat nun ein genau bezeichnetes Zelt draußen für den Fall einer weiteren Räumung.
Ebenso wurden gegenüber dem Fußballplatz Zelte errichtet, die zur Unterbringung von Kindern und Erwachsenen dienen, die von weiter her kommen, um ihre Überprüfungen oder Verbandswechsel vornehmen zu lassen. Ebenso wurden Duschen und Waschräume fertig gestellt.
Die Personalabteilung hat ein Team eingestellt, das den Angestellten dabei hilft, mit mentalen Schäden bei Patienten durch psychologischen Betreuung fertig zu werden.























































