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Archiv für das 'Charité'-tag

Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 3

Fortsetzung von Teil 2:

Dr.  Peter Tinnemann nahm an UN-Treffen teil. Dadurch entstand auch die Zusammenarbeit mit einem US Krankenhausschiff. Auch Medikamente konnten beschafft werden. Die größten Organisationen kamen bei diesen Treffen zusammen, ebenso viele freiwillige Helfer. Es wurde gemeinsam eine Infrastruktur erstellt.

Das notdürftige UN-Hauptquatier von dem aus die Hilfe in Haiti koordiniert wird.

Das notdürftige UN-Hauptquatier von dem aus die Hilfe in Haiti koordiniert wird.

Unterkünfte der UN-Soldaten

Unterkünfte der UN-Soldaten

Die UN hatte den größten Teil ihrer Lagerzentren verloren und eine nicht unerhebliche Anzahl an Mitarbeitern.

Senator Edwards hat in seinem Privatflieger mehrere Patienten in die USA ausgeflogen.

Senator Edwards besuchte Haiti und flog Verletzte mit seinem Privatflieger in die USA aus.

Senator Edwards besuchte Haiti und flog Verletzte mit seinem Privatflieger in die USA aus.

Die Auswirkungen, die das Erdbeben auf die zivile Infrastruktur hat, sind mit keinem anderen Beben in der Vergangenheit vergleichbar. Das Erdbeben war sehr stark. Die Häuser in Haiti waren absolut nicht erdbebensicher gebaut, es war eine sehr kostengünstige Bauweise aus einer Mischung aus wenig Zement und viel Sand – eine unkontrollierte Bauweise. Im Gegensatz dazu ist unser Krankenhaus sehr stabil konstruiert.

In der Stadt waren viele Straßen gesperrt, die Menschen übernachteten auf den Straßen aus Angst vor Nachbeben.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Aus Angst vor weiteren Nachbeben übernachten die Menschen auf der Straße.

Man musste mit ihnen sprechen und die Nachbeben erklären. Dr. Peter Tinnemann hat ein Nachbeben miterlebt – innerhalb von drei Minuten war das gesamte Krankenhaus evakuiert.

Innerhalb einer Woche entstanden die Zeltstädte, die ersten waren nicht organisiert. Es gab kein Wasser, keine Nahrungsmittel, keine Toiletten, Exkremente liegen überall. Durchfallerkrankungen werden stark befürchtet mit Einsetzen der Regenzeit. Es gab jeden Tag ein UN Meeting zur Gesundheit und eines zur sanitären Versorgung.

Eine typische Zeltstadt in Port-au-Prince.

Eine typische Zeltstadt in Port-au-Prince.

Eine typische Notunterkunft in einer der Zeltstädte.

Eine typische Notunterkunft in einer der Zeltstädte.

Es gibt auch Camps mit mehreren 10.000 Menschen. Die Menschen wollen nicht aus der Stadt ausquartiert werden.

Ein Blick auf eine Zeltstadt in der Nähe des St. Damien Krankenhauses.

Ein Blick auf eine Zeltstadt in der Nähe des St. Damien Krankenhauses.

Als Dr. Petter Tinnemann den Eindruck hatte, dass das St. Damien Krankenhaus gut funktioniert, zog er gemeinsam mit den Mitarbeitern des St. Luke Programms in die Camps, um die Menschen dort zu versorgen. Sie waren „ein Funken der Hoffnung“, versorgten die Verletzten und gaben ihnen Wasser. Die Menschen erkundigten sich nach den Straßenschulen. Es gab kein Chaos bei der Versorgung, die Menschen standen alle ordentlich in der Schlange.

IIn einer Zeltstadt weißt ein Schild auf des Zelt des lokalen Polizisten hin.

In einer Zeltstadt weißt ein Schild auf des Zelt des lokalen Polizisten hin.

In den Slums frisieren sich die Frauen

In den Slums frisieren sich die Frauen

Dr. Peter Tinnemann war auch in Léogane. Léogane war am nächsten am Epizentrum des Erdbebens dran. 90% der Stadt sind zerstört. Viele Menschen haben die Städte verlassen und sind aufs Land gezogen. Sie sind damit aus dem Blickfeld der Hilfeleistungen geraten. Die Ressourcen sind nicht gleich verteilt. Die ländlichen Gegenden sind extrem arm, teilweise nicht landwirtschaftlich zu bebauen.

Zerstörte Gebäude

Zerstörte Gebäude

Ein Schild weißt auf benötigte Hilfe hin.

Ein Schild weißt auf benötigte Hilfe hin.

Es ist sehr staubig in der Stadt, es herrscht eine große Luftverschmutzung – Atemwegsinfektionen und Lungenentzündungen werden befürchtet.

Die haitianische Regierung ist nicht arbeitsfähig – sie hat Mitarbeiter, Gebäude und Akten verloren. Sie ist selbst geschockt. Sie macht im Moment nicht viel für die Bevölkerung, sondern braucht Hilfe von außerhalb.
Die Haitianer hoffen, dass die internationale Gemeinschaft ihnen hilft. Die ganze Welt weiß von Haiti. Es gibt viele clevere Leute dort, sie sind bereit harte körperliche Arbeit zu leisten. In Haiti ist ein Neuanfang laut Dr. Peter Tinnemann sehr viel versprechend.

Ein findiger Händler in den Slums bietet eine Handy-Ladestation an.

Ein findiger Händler in den Slums bietet eine Handy-Ladestation an.

Haiti hat kein Militär. Tinnemann kann Kritik am US Militär nicht nachvollziehen:

“Es war notwendig, dass sie den Flughafen übernahmen.”

Dr. Peter Tinnmemann ist zum Ende seines Einsatz mit dem von der Bild-Aktion “Ein Herz für Kinder” gesponserten Hubschrauber in die Dominikanische Republik ausgeflogen worden. Von dort trat er den Rückflug nach Deutschland an.

Dr. Peter Tinnemann auf dem Rückweg nach Deutschland

Dr. Peter Tinnemann auf dem Rückweg nach Deutschland

Die Organisation UNSERE KLEINEN BDÜRDER UND SCHWESTERN hat laut Dr. Peter Tinnemann einen ganz anderen Zugang zu den Menschen in Haiti als andere Organisationen:

“Sie sind hautnah dran, auch an den ärmsten Gegenden.”

Dr. Peter Tinnemann war beeindruckt und überwältigt von der Unterstützung vor Ort und von der Medienpräsenz in Haiti. Doch als er nach Deutschland zurückkam, war Haiti aus der Medienlandschaft fast schon verschwunden. Als der Alltag im Krankenhaus einkehrte, waren auch die Medien weg.

Dr. Peter Tinnemann plant im März wieder nach Haiti zu reisen.

“Es gibt noch so viel zu tun.”

Dr. Peter Tinnemann schaut nach einem kleinen Patienten.

Dr. Peter Tinnemann schaut nach einem kleinen Patienten.

Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 2
Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 1

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Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 2

Fortsetzung von Teil 1:

Nicht nur die Schwerverletzten mussten versorgt werden, sondern auch alle anderen Menschen auf dem Krankenhausgelände. Es wurde täglich Essen für alle vorbereitet und ausgegeben. Ein italienischer Bäcker backte jeden Tag Pizzabrot für alle. Laut Dr. Peter Tinnemann verlief die Essenausgabe stets ganz zivilisiert.

Ein italienischer Bäcker verteilt Pizzabrot im Hof des Krankenhauses.

Ein italienischer Bäcker verteilt Pizzabrot im Hof des Krankenhauses.

Sowohl Patienten als auch Angestellte hatten Angst das Gebäude zu betreten. Dr. Peter Tinnemann sagte, das Krankenhaus war gespenstisch leer, die Betten verlassen, Essen und Medikamente lagen herum. Die Schwestern hatten sich im Freien kleine Stationen eingerichtet. Die Patienten wurden später ganz sensibel daran gewöhnt sich dem Gebäude wieder zu nähern. Anfangs wurden sie nur auf dem Flur untergebracht und dann nach einigen Tagen nach und nach ins Gebäude verlegt.

Patienten lagern vor dem Krankenhaus.

Patienten lagern vor dem Krankenhaus.

Betten mit Patienten stehen im Innenhof unter Sonnenschutzplanen.

Betten mit Patienten stehen im Innenhof unter Sonnenschutzplanen.

Dr. Peter Tinnemann schlief nachts auf einer Matratze auf dem Dach des Krankenhauses. Es war sehr kalt.

Schlafplätze der freiwilligen Helfer auf dem Dach des Krankenhauses.

Schlafplätze der freiwilligen Helfer auf dem Dach des Krankenhauses.

Blick auf das Krankenhaus St. Damien.

Blick auf das Krankenhaus St. Damien.

Nach drei Tagen wurde das erste Kind im Krankenhaus geboren.

Ein Neugeborenes auf der Neugeborenen-Station

Ein Neugeborenes auf der Neugeborenen-Station

Stolze Eltern auf der Neugeborenen-Station von St. Damien

Stolze Eltern auf der Neugeborenen-Station von St. Damien

Langsam kehrten immer mehr Mitarbeiter zurück, Apotheker, Krankenschwestern, sowie das Reinigungspersonal. Es wurde sehr auf Hygiene geachtet.

Behandlung eines verletzten Kindes.

Behandlung eines verletzten Kindes.

Ärzte bei der täglichen Besprechung im Krankenhaus St. Damien.

Ärzte bei der täglichen Besprechung im Krankenhaus St. Damien.

Neben dem Krankenhaus befanden sich zwei Zelte der UN, in denen Kinder untergebracht wurden, die jemand aus den Trümmern der Krankenhauses in der Stadt gerettet und ins St. Damien gebracht hatte. Die Kinderabteilung dieses Krankenhauses war nach dem Erdbeben komplett kollabiert. Schwestern kümmerten sich Tag und Nacht um diese Kinder. Viele waren geistig und körperlich behindert. Gena und ihr Team nahmen sich der Kindern an und beschützten sie vor überstürzten Adoptionen.

Die Menschen übernachten im freien vor dem Krankenhaus.

Die Menschen übernachten in Zelten vor dem Krankenhaus.

St. Damien war das einzige funktionierende Kinderkrankenhaus in ganz Port-au-Prince, woraufhin Dr. Peter Tinnemann auch anderen Organisationen anbot, verletzte Kinder zu uns zu bringen. „Ärzte Ohne Grenzen“ brachte täglich etwa 10 Kinder. Auch die Angehörigen der Patienten erhielten einen Schlafplatz im St.Damien.

Kind mit einem amputierten Bein im Krankenhaus St. Damien.

Kind mit einem amputierten Bein im Krankenhaus St. Damien.

Patienten mit Bauch- oder Brustverletzungen hatten keine Überlebenschancen. Die meisten Patienten im Krankenhaus hatten Verletzungen an den Extremitäten, Weichteilverletzungen, Knochenbrüche, Kopfverletzungen, Wirbelsäulenverletzungen und Gesichtsverletzungen.

Gesichtsverletzungen bei einem Mädchen nach dem Erdbeben.

Gesichtsverletzungen bei einem Mädchen nach dem Erdbeben.

Glücklicherweise bestand die Blutbank noch und versorgte das Krankenhaus mit Blutkonserven.

Ein mobiles OP-Team aus der Dominikanischen Republik, bestehend aus sechs Chirurgen, kam ins St. Damien Krankenhaus. Sie hatten sich ganz schnell organisiert und waren bereit die Gipse für die Verletzten herzustellen und anzulegen. Auch einer der bekanntesten Ärzte der Dominikanischen Republik war unter ihnen. Die italienische Hilfsorganisation „Protezione Civile“ baute in Zelten mobile OPs auf. Sie hatten auch ein mobiles Röntgengerät dabei, das sehr hilfreich war. Auch zahlreiche Ärzteteams aus den USA kamen. Dr. Peter Tinnemann lobte das Engagement der ausländischen Helfer. Es gab ausreichend Mediziner, jedoch einen Mangel an Pflegepersonal.

Behandlung von Patienten im Krankenhaus St. Damien.

Behandlung von Patienten im Krankenhaus St. Damien.

Nach 10 Tagen kamen immer noch Patienten, die nur notdürftig versorgt worden waren und suchten im St. Damien Krankenhaus Hilfe.

Das St.Damien Krankenhaus verfügt über drei Brunnen, so dass alle Menschen mit Wasser versorgt werden konnten. Es konnte sogar Wasser außerhalb des Krankenhauses verteilt werden.

Essensverteilung an die Bevölkerung durch Mitarbeiter des Outreach-Programm

Essensverteilung an die Bevölkerung durch Mitarbeiter des Outreach-Programm

Nach ein paar Tagen kamen Sozialarbeiter und boten den Menschen psycho-soziale Unterstützung. Die Menschen hatten das Bedürfnis ihre Geschichten zu erzählen, sie mussten ihr Leid verarbeiten.

Dr. Peter Tinnemann sorgte langsam für Ordnung auf dem Krankenhausgelände. Er war nach eigenen Angaben die meiste Zeit am Telefon und hat wenig am Patienten gearbeitet. Tinnemanns Aufgabe war es auch die Ärzteteams zu organisieren und die Ausstattung zu koordinieren. Die Kommunikation wurde besser. Tinnemann und eine amerikanische Kollegin dienten als Bindeglied zwischen den einheimischen Mitarbeitern und den ausländischen Helfern.

Dr. Peter Tinnemann stimmt sich über das Satellitentelefon mit Deutschland ab.

Dr. Peter Tinnemann stimmt sich über das Satellitentelefon mit Deutschland ab.

Regelmäßig kamen Transporte mit Ausrüstung und Medikamenten aus der Dominikanischen Republik an. Dr. Peter Tinnemann berichtete, dass es keine großen Probleme gab Transporter von der Dominikanischen Republik nach Haiti zu schicken – Dank der guten Zusammenarbeit und dem Bekanntheitsgrad von NPFS.

Ankunft einer Hilfslieferung im Krankenhaus St. Damien.

Ankunft einer Hilfslieferung im Krankenhaus St. Damien.

Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 3
Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 1

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Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 1

Dr. Peter Tinnemann war vom 5.01.2010 bis 5.02.2010 im Einsatz in Haiti in unserem Krankenhaus St. Damien. Er arbeitet an der Charité in Berlin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsmedizin. Seine Karriere hatte vor über 10 Jahren in Haiti begonnen.

Dr. Peter Tinnemann vor 10 Jahren in unserem Kinderkrankenhaus in Haiti. Foto: Dr. Peter Tinnemann

Dr. Peter Tinnemann vor 10 Jahren in unserem Kinderkrankenhaus in Haiti. Foto: Dr. Peter Tinnemann

In einem Vortrag im Büro von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN E.V. in Karlsruhe schilderte er mit zahlreichen Fotos nicht nur das Leid der Menschen, sondern auch welche Fortschritte im Laufe seines Einsatzes erreicht wurden. Eine kurze Zusammenfassung gibt seine Erzählungen wieder:

Dr. Peter Tinnemann konnte problemlos von der Dominikanischen Republik nach Haiti einreisen. Nicht einmal die Pässe wurden kontrolliert. Am Morgen nach seiner Ankunft unternahm er eine Rundfahrt durch Port-au-Prince, um sich ein Bild zu verschaffen, wie viele Verletzte noch zu erwarten waren. Zu diesem Zeitpunkt wurden kaum noch Verletzte geborgen.

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Er zeigte Bilder des eingestürzten Padre Wasson Centers. Dort hatte er 10 Jahre zuvor gearbeitet. Das Gebäude war komplett zusammengefallen. Zwei seiner alten Kollegen hatten geholfen die Verschütteten zu bergen.

Das eingestürtzte Father Wasson Center

Das eingestürtzte Father Wasson Center

In direkter Umgebung des Krankenhauses St. Damien standen viele Häuser plötzlich nicht mehr.

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Zerstörungen nach dem Erdbeben in Port-au-Prince, Foto: Dr. Peter Tinnemann

Der Innenhof des Krankenhauses war überfüllt mit Menschen, man wusste nicht ob sie verletzt waren oder ob es sich um Angehörige von Verletzten handelte oder Menschen, die einfach nur Unterschlupf suchten. Alle Menschen befanden sich außerhalb des Krankenhausgebäudes.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Zu Beginn war es unmöglich sich einen Überblick über die Patienten und über die Schwere ihrer Verletzungen zu verschaffen. Ein italienisches Ärzteteam hat die dringenden Notfälle behandelt, doch eine Liste mit Prioritäten gab es nicht. Die Situation war unvorstellbar. Es gab die doppelte oder gar dreifache Menge an Patienten, als normalerweise. Aber nur ein Drittel der Belegschaft war in den ersten Tagen anwesend und einsatzbereit.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Menschen vor dem Krankenhaus St. Damien.

Pater Richard Frechette hatte Dr. Peter Tinnemann gebeten, „etwas Ordnung“ in die Versorgung der Patienten zu bringen. Seine Hauptaufgabe bestand in der Organisation des Krankenhauses und in der Koordination der Hilfseinsätze. Er errichtete ein Triage-Zentrum, so dass alle Patienten gesehen und  versorgt wurden. Patientenakten zu führen war zu Beginn unmöglich, deshalb haben die Ärzte auf den Gips der Patienten geschrieben, wann dieser angelegt wurde.

Behandlung von Patienten im freien vor dem Krankenhaus.

Behandlung von Patienten im freien vor dem Krankenhaus.

Die notdürftige Apotheke im Vorhof des Krankenhauses.

Die notdürftige Apotheke im Vorhof des Krankenhauses.

Laut Dr. Peter Tinnemann bildeten die haitianischen Angestellten und Pequenos Majores das Rückgrat in der katastrophalen Situation. Sie packten überall an, wo Hilfe benötigt wurde. Während die italienischen Ärzte sich nach ihren vielen OPs schlafen gelegt haben, hat ein junger Haitianischer Arzt nachts noch die OPs geputzt. Dr. Peter Tinnemann war überwältigt von der haitianischen Hilfsbereitschaft. Medizinstudenten kamen ins St. Damien Krankenhaus und boten ihre Hilfe beim Übersetzen an. Es kamen Helfer aus allen sozialen Schichten.

Ärzte behandeln Patienten vor dem Krankenhaus St. Damien.

Ärzte behandeln Patienten vor dem Krankenhaus St. Damien.

Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 2

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Charité unterstützt Hilfseinsatz in Haiti

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin gewährt pflegerischen Mitarbeitern, die sich zu einem Einsatz in der vom Erdbeben verwüsteten Hauptstadt Haitis entschließen, eine Freistellung von bis zu zehn Arbeitstagen. Dr. Peter Tinnemann vom Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie am Campus Charité Mitte arbeitet bereits in dem von der Hilfsorganisation „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ betriebenen Kinderkrankenhaus „St. Damien“ in Port-au-Prince. Dort sind seinem Bericht zufolge mittlerweile ausländische Ärzte eingetroffen, aber es gibt nach dem Beben kaum pflegerisches Personal. Mögliche freiwillige Helfer müssten sich der chaotischen und riskanten Situation vor Ort bewusst sein, erklärt das Berliner Universitätsklinikum in einer internen Information an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sollten psychisch und physisch extrem belastbar sein, Erfahrung in Katastropheneinsätzen mitbringen und für einen mindestens zweiwöchigen Einsatz zur Verfügung stehen. Für ihre psychologische Betreuung nach der Rückkehr sorgt als Kooperationspartner die Hilfsorganisation LandsAid.

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Gemeinsam den Menschen in Haiti helfen

Vereine LandsAid und „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ vereinbaren Zusammenarbeit

Immer mehr Erdbebenopfer finden sich im Kinderkrankenhaus des Hilfswerks „Unsere kleinen Brüder und Schwestern e. V.“ in Tabarre ein. Das berichtete heute der Berliner Charité Arzt Peter Tinnemann, der sich seit gestern im Auftrag der Karlsruher Organisation in Haiti mitarbeitet. „Die Menschen versuchen verzweifelt medizinische Hilfe zu erhalten. In unserem Krankenhaus „St. Damien“ befinden sich derzeit zwischen 550 und 700 Patienten und das in einem Gebäude, das für 200 Kranke gebaut wurde. Rund 200 verletzte Kinder werden von den Ärzten behandelt, ein Drittel davon ist unter 12 Jahren.“ Inzwischen sind über das Kinderdorf der Organisation in der Dominikanischen Republik zwei Lastwagen ins Krankenhaus geliefert worden. Die Kosten hierfür übernahm der italienische Startenor Andrea Bocelli. Aufgrund der dramatischen Situation in Haiti haben die beiden humanitären Organisationen LandsAid e.V. aus Kaufering und „Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.“ eine Kooperation vereinbart. LandsAid wird „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ durch die Entsendung von Fachkräften, medizinischem Personal und Hilfsgütern unterstützen.

Laut Peter Tinnemann, der am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Berliner Charité arbeitet, sind einige Patienten im Erdgeschoss des Krankenhauses „St. Damien“ untergebracht. Die übrigen Etagen sind geräumt, da immer noch kleinere Nachbeben für Angst und Schrecken sorgen. Die Mehrzahl der Patienten wird im Freien, unter Planen behandelt. Im Krankenhaus steht nur ein Operationssaal zur Verfügung, so dass noch zahlreiche Menschen auf notwendig gewordene Amputationen warten müssen. Die Ärzte arbeiten fast rund um die Uhr und sind laut Tinnemann über die Unterstützung, die so bald als möglich über LandsAid erfolgen wird, sehr froh.

LandsAid e.V. verfolgt das Ziel, Menschen, die durch Natur- oder Umweltkatastrophen, durch bewaffnete Konflikte oder Unterdrückung in Not geraten sind, schnell und professionell vor allem im medizinischen Bereich zu helfen. „Da „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ schon seit mehr als zwanzig Jahren mit zahlreichen Einrichtungen in Haiti tätig sind, ist diese Organisation für uns ein hervorragender Partner“, sagt Hans Musswessels, Vorstand vom LandsAid e.V.

Am Montag wird ein Vertreter von LandsAid ins Kinderkrankenhaus nach Haiti reisen, um sich vor Ort ein Bild über die Situation und vor allem den notwendigen Bedarf zu machen. Danach kann die Hilfe beginnen.

Trotz all der erschütternden Meldungen aus Haiti gibt es immer wieder auch Zeichen der Hoffnung. Im Kinderkrankenhaus „St. Damien“ sind, so Tinnemann, zwei Kinder geboren worden: ein Junge und ein Mädchen.

LandsAid e.V. und „Unsere kleinen Brüder und Schwestern e. V.“ bitten die Bevölkerung um Hilfe.
Spenden werden erbeten auf die Konten:

LandsAid e.V.
Konto: 100 22
BLZ 700 932 00
VR Bank Landsberg / Lech

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Versorgung auf dem Landweg steht

Über die Dominikanische Republik erreichen Hilfslieferungen die Erdbebenopfer

Nach wie vor kommt die Hilfe für die Erdbebenopfer in Haiti nur schleppende voran. Haitis Regierung bat inzwischen die USA, die Hilfslieferungen zu koordinieren. In den Krankenhäusern fehlt es am Notwendigsten: Antibiotika, Verbandmaterialien und Medikamente gehen zur Neige. Auch in „St. Damien“, dem Kinderkrankenhaus des Karlsruher Hilfswerks „Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.“ in Tabarre, spitzt sich die Situation zu. Derzeit behandeln die Ärzte und Schwestern mehr als 550 Patienten, rund 130 davon sind Kinder. Stündlich kommen weitere Verletzte dazu. „Jeder hier in der Klinik ist übermüdet. Aber wir können es bislang ganz gut bewältigen. Allerdings warten rund 30 Menschen, auf Amputationen, die wir momentan nicht durchführen können“, sagt Robin Schwartz, Mitarbeiterin des Kinderhilfswerks vor Ort. „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ hat nun damit begonnen Hilfsgüter über das Kinderdorf in der Dominikanischen Republik nach Haiti zu senden. „In der Dominikanischen Republik sind Nahrungsmittel, sauberes Wasser und medizinische Güter in ausreichender Menge vorhanden und können ohne bürokratische Hindernisse direkt zu den Erdbebenopfern gelangen. Der erste Lastwagen ist heute angekommen“, sagt Heiko Seeger, Geschäftsführer des Karlsruher Förderbüros. Heute Abend trifft der Berliner Arzt Peter Tinnemann in Haiti ein und wird mithelfen, die Hilfsmaßnahmen von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ in Haiti zu koordinieren.

Auch am vierten Tag nach der Katastrophe muss die Mehrheit der Haitianer ohne Essen und sauberes Wasser auskommen. Die Menschen übernachten im Freien neben Trümmern und Leichen. Hilfsgüter befinden sich zwar im Land, es gibt aber niemanden, der ihre Auslieferung koordiniert. Erst morgen, so berichten einige Medien, sollen erste Auslieferungen erfolgen. „Die Koordinierung kann noch einige Tage dauern, deshalb möchten wir die Versorgung von der Dominikanischen Republik aus aufrechterhalten“, sagt Heiko Seeger. Gestern hatte Seeger erstmals die Möglichkeit, direkten telefonischen Kontakt mit einer amerikanischen Mitarbeiterin vor Ort aufzunehmen und sich ein umfassenderes Bild von der dramatischen Situation zu machen. So berichtete Robin Schwartz, dass die seit dem Einsturz des ehemaligen Krankenhauses vermisste 22-jährige Molly Hightower nur noch tot aus den Trümmern des Gebäudes geborgen werden konnte. Auch Mitarbeiter des Kinderkrankenhaus „St. Damien“ sind unter den Opfern. „Wir haben mindestens 20 Todesopfer zu beklagen“, berichtete Robin Schwatz gestern im Telefonat mit Seeger. Im Krankenhaus arbeiten momentan 20 Ärzte, die meisten davon sind Haitianer. Heute werden in der Klinik weitere fünf bis zehn Ärzte erwartet, die die Mitarbeiter vor Ort unterstützen.

Trotz all dieser dramatischen Nachrichten gibt es auch gute Nachrichten zu berichten. Das Kinderdorf von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern e.V.“ in Guatemala, wird aus seinen Reserven 30.000 US-Dollar nach Haiti senden. Das soll ein Zeichen der Verbundenheit mit den Brüdern und Schwestern in Haiti sein. Auch die Kinder in den übrigen sieben Kinderdörfern von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ organisieren bereits Hilfe für Haiti.

Der am Freitagmorgen aus Deutschland gestartete Arzt Peter Tinnemann wird voraussichtlich am Samstag Abend im Kinderkrankenhaus in „St. Damien“ eintreffen. Der Berliner ist Arzt am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité und war bereits 1996 im Einsatz für das Hilfswerk.

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Hilfe im Chaos

Bericht aus Haiti

Das Krankenhaus „St. Damien“ der Hilfsorganisation „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ in Haiti ist eine der wenigen medizinischen Einrichtungen in Haiti, die das Erdbeben fast unbeschadet überstanden haben. Noch darf im Inneren nicht behandelt werden, da die Menschen weiterhin aufgerufen sind, keine Gebäude zu betreten. Der nationale Direktor des Hilfswerks Pater Richard Frechette schilderte nun seine ersten Eindrücke aus dem Krisengebiet. Ein deutscher Arzt der Charité in Berlin, Peter Tinnemann, der schon für „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ in Haiti im Einsatz war, ist jetzt wieder auf dem Weg dorthin, um die Hilfsmaßnahmen der Organisation mit zu unterstützen.

Pater Richard Frechette, US-amerikanischer Priester und Arzt, war zum Zeitpunkt des Erdbebens am Bett seiner sterbenden Mutter in den USA. Diese schickte ihn sofort zurück nach Haiti, wo er seit über 20 Jahren im Einsatz für die Menschen ist. Er schreibt über seine Ankunft in Haiti: „Mit dem Helikopter des Präsidenten der Dominikanischen Republik sind wir in Haiti gelandet. Dies wurde aufgrund des guten Ansehens von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ in der Dominikanischen Republik, unserem Spendenbüro in Italien und unseren guten Verbindungen zu Andrea Bocelli möglich.“ Neben der Präsenz in Haiti, unterhält die Hilfsorganisation in acht weiteren Ländern in Lateinamerika, darunter der Dominikanischen Republik, eigene Kinderdörfer, Krankenstationen, Therapieeinrichtungen und Schulen.

Nach der Ankunft und den katastrophalen Bildern die sich zeigten, erreichten die Helfer erste Nachrichten über Todesfälle innerhalb der Organisation. Darunter auch Wilfrid Altisme, der im Kinderdorf von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ aufgewachsen ist und sich gerade in der Priesterausbildung befand.

Über die Hilfe für die Verletzten im Krankenhaus „St. Damien“ schreibt Pater Richard Frechette: „Im Freien unter Bäumen und auf dem Parkplatz mit immer weniger werdenden Medikamenten geben wir unser Bestes für die Opfer. Wir werden die Nacht durcharbeiten. Alle Geschäfte und Banken haben geschlossen, das Benzin wird knapp. In zwei Tagen werden wir kein Benzin mehr haben, sollte sich keine Lösung finden. Dies würde bedeuten, dass wir komplett ohne Strom wären. Leider haben wir zurzeit auch keine Wasserversorgung im Krankenhaus, da die Rohre zwischen dem Brunnen und dem Wasserturm gebrochen sind.“

Am Freitagmorgen machte sich auch Dr. Peter Tinnemann aus Berlin für „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ auf den Weg nach Haiti. Über die Dominikanische Republik wird er auf dem Landweg versuchen, Port-au-Prince am Sonntag zu erreichen. Der Arzt des Institutes für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité, Berlin war bereits 1996 im Einsatz für das Hilfswerk.

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