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Haiti – drei Monate nach dem Erdbeben

Wenn die Sonne hinter dem Kinderkrankenhaus St. Damien und den Hügeln von Kenscoff untergeht, nehmen wir die alltäglichen Aufgaben mit Freude an und sind dankbar dafür, in der Lage zu sein, aus der heraus wir anderen helfen können. Nach Sonnenuntergang beginnt es, wie jeden Abend in der letzten Zeit, zu regnen. Wir werden wieder an jene erinnert, die außerhalb der Mauern des Kinderkrankenhauses leiden. Das einzige, was wir tun können, ist, sich an den alltäglichen Arbeiten und Erfolgen zu erfreuen. Wohlwissend das unsere Arbeit gleichzeitig nichts ist und dass sie alles ist.

Sonneruntergang hinter dem Kinderkrankenhaus St. Damien

Sonneruntergang hinter dem Kinderkrankenhaus St. Damien

Vor einigen Wochen erzählte Pater Richard die Geschichte eines alten Freundes, der zwei Steine in seiner Tasche trägt. Auf einem der Steine steht geschrieben „Ich bin nichts“. Auf dem anderen steht „Ich bin alles“. Dieser Freund bezieht sich häufig auf die beiden Steine. Ernimmt sie aus seiner Tasche, wenn er das Gefühl hat, sie zu brauchen. Der Freund von Pater Richards erklärte sein Verhalten damit, dass es wichtig sei, uns unserer Stärken bewusst zu sein. Ihr Einsatz für eine gute Sache sollte vollkommen frei von Angst stattfinden. Doch gleichzeitig sollten wir uns unserer Grenzen und des größeren Zusammenhanges, in dem wir stehen und leben, stets bewusst sein.

Das ist auf vielerlei Art die Geschichte unserer Arbeit und unseres täglichen Lebens hier. Die Bilder von Verlust, Schmerz und Zerstörung, die um die Welt gegangen sind, sind allgegenwärtig und unleugbar. Doch genauso allgegenwärtig sind die Freuden und die schönen Dinge, die uns hier, eingebettet in die harte tägliche Arbeit, umgeben. Auch, wenn sie manchmal einen bittersüßen Beigeschmack haben. Das Lächeln und Gelächter der Kinder im St. Damien Kinderkrankenhaus. Die ersten Schritte eines Kindes in Kay Germaine, das mit Hilfe einer neuen Beinprothese läuft. Die Energie, die von den singenden und Gottesdienst feiernden Kinder im Kinderdorf in Kenscoff ausgeht. Diese Dinge sind so stark wie eh und je und sie erinnern uns daran, wie glücklich wir uns schätzen können, die Dienste, die wir anbieten, leisten zu können.

Die kleinen Welten im Kinderkrankenhaus St. Damien, des Rehabilitationszentrums Kay Germaine und unseres Kinderdorfes in Kenscoff sind nicht perfekt. Es gibt Probleme, notwenige Renovierungsarbeiten, offene Projekte und täglich echte Schwierigkeiten und Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Aber genauso gibt es engagierte und gut organisierte Menschen, die daran arbeiten, die Situation zu verbessern. Und so wächst die Hoffnung weiter, während sich die Umstände für unsere Kinder bei UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN zum Guten entwickeln.

Die sehr motivierten Mitarbeiter des Kinderkrankenhauses St.Damien

Die sehr motivierten Mitarbeiter des Kinderkrankenhauses St.Damien

Die Betreuer in unserem Kinderdorf in Kenscoff ebenso wie die Ärzte, Krankenschwestern und Therapeuten des Kinderkrankenhauses St. Damien arbeiten unermüdlich. Weiterhin erreichen uns Unterstützung und Spenden aus unseren Fundraising-Büros auf der ganzen Welt. Freiwillige Fahrer pendeln mit LKWs zwischen dem Kinderdorf in der Dominikanischen Republik und Haiti und kommen stets erschöpft und erleichtert an, bringen sie doch dringend benötigte Güter mit. Kinder winken aus den Krankenhausfenstern und rufen Vorbeigehenden fröhlich zu. Mitarbeiter des Kinderdorfes in Kenscoff sitzen im Freien, kämmen Kindern die Haare und bereiten sich auf den Gottesdienst vor. Kay Germaine nimmt sich immer wieder der häufig vergessenen Kinder mit neurologischen Störungen an, die selbst für Eltern mit unbegrenzten Möglichkeiten schwer zu meistern sind. Noch schwieriger ist es für die Familien, die in Zeltstädten leben. Das Programm „Engel des Lichts“ wird von über 100 Ex-Pequeños (frühere Kinder aus unserem Kinderdorf) unterstützt. Sie bieten ihre Arbeitskraft und Fähigkeiten an, um gemeinsam mit uns den unglaublichen Hilfsbedarf in Port-au-Prince leisten zu können. Sie geben am Tag zwei Mahlzeiten an insgesamt 1.200 Kinder aus, die in den Zeltstädten leben. Sie geben ausserdem schulische Unterstützung. In all diesen Bereichen ist eine echte Entwicklung und Freude zu beobachten. Gleichzeitig sehen wir, wie sich Lebensumstände teilweise verbessern. In diesem Sinne arbeiten wir weiter, halten den „Ich bin alles“-Stein in der Hand und verzeichnen Fortschritte.

Ein Neugeborenes der Kinderstation des Kinderkrankenhauses St.Damien

Ein Neugeborenes der Kinderstation des Kinderkrankenhauses St.Damien

Außerhalb von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN gibt es unfassbares Leid. Zusätzlich zu unseren langfristigen Projekten und Investitionen geben wir Güter und Nahrung an andere Teile des Landes weiter. Wir helfen so, bedürftige Menschen zu ernähren, zu kleiden und zu trösten. Doch die Hilfe ist einfach nicht genug und viele Menschen werden weiterhin in unmenschlichen und untragbaren Umständen leben und sterben. Ob nun in Port-au-Prince oder den Provinzen: das Ausmaß der Probleme und des Leids im Hinblick auf die Zukunft des Landes ist erschütternd. In solchen Momenten halten wir den „Ich bin nichts“-Stein und spüren die Last der Probleme Haitis.

Wichtig in Bezug auf diesen “Ich bin nichts”-Stein ist wichtig, dass seine Botschaft kein Aufruf zu Passivität oder zum Aufgeben ist. Ganz im Gegenteil. Unsere Akzeptanz der Tatsache, dass wir nichts als eine kleine Oase in einer Wüste aus Leid sind, sollte uns dazu antreiben, lange Arbeitstage durchzuhalten und uns glücklich zu schätzen in der Lage zu sein, einigen Menschen etwas Unterstützung anbieten zu können. Und das in einem Land, in dem der Großteil der Menschen dieses Glück nicht hat. Die Freude, der Stolz und die Dankbarkeit sind echt. Seine eigenen Grenzen zu verstehen und zu kennen schwächt diese Empfindungen nicht, vielmehr hilft es zu innerem Wachstum.

Nach dem 12. Januar verfügte die Regierung, dass für den Zeitraum von drei Monaten alle Krankenhäuser kostenlose medizinische Versorgung anbieten sollten. Diese Zeitspanne endet morgen. Die Regenzeit, die den Übergang in die Zeit der Hurrikane bildet, hat begonnen. Beides bedeutet noch mehr Leid für die vielen Haitianer, die zurzeit ohne Unterkunft und medizinische Versorgung leben. In der Hinsicht haben wir im Kinderkrankenhaus St. Damien und im Kinderdorf in Kenscoff Glück gehabt. Denn trotz aller Herausforderungen und Probleme kümmert man sich um uns. Wir werden morgens trocken wach und können frühstücken. Wir feiern in der Kappelle Gottesdienst und teilen Frieden und Trost miteinander. Wir haben das Privileg, einen weiteren Tag zu arbeiten und zu helfen.
Außerhalb der Mauern sind so viele Menschen ohne Hoffnung, ohne die einfachsten Mittel und ohne Möglichkeiten, zu einer Lösung des Problems beizutragen.

Sie können mit Ihrer Unterstützung helfen! Nur durch Ihre großzügige Hilfe in den letzten Jahren war es möglich die Infrastruktur in Haiti aufzubauen, mit der wir sehr schnell und effektiv Nothilfe leisten konnten. Bitte unterstützten Sie uns auch in Zukunft mit Spenden. Nur so können wir begonnene und neue Projekte aufbauen und weiterführen. Die Menschen in Haiti benötigen dringend unsere Hilfe!

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