Dr. Peter Tinnemann war vom 5.01.2010 bis 5.02.2010 im Einsatz in Haiti in unserem Krankenhaus St. Damien. Er arbeitet an der Charité in Berlin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsmedizin. Seine Karriere hatte vor über 10 Jahren in Haiti begonnen.
In einem Vortrag im Büro von UNSERE KLEINEN BRÜDER UND SCHWESTERN E.V. in Karlsruhe schilderte er mit zahlreichen Fotos nicht nur das Leid der Menschen, sondern auch welche Fortschritte im Laufe seines Einsatzes erreicht wurden. Eine kurze Zusammenfassung gibt seine Erzählungen wieder:
Dr. Peter Tinnemann konnte problemlos von der Dominikanischen Republik nach Haiti einreisen. Nicht einmal die Pässe wurden kontrolliert. Am Morgen nach seiner Ankunft unternahm er eine Rundfahrt durch Port-au-Prince, um sich ein Bild zu verschaffen, wie viele Verletzte noch zu erwarten waren. Zu diesem Zeitpunkt wurden kaum noch Verletzte geborgen.
Er zeigte Bilder des eingestürzten Padre Wasson Centers. Dort hatte er 10 Jahre zuvor gearbeitet. Das Gebäude war komplett zusammengefallen. Zwei seiner alten Kollegen hatten geholfen die Verschütteten zu bergen.
In direkter Umgebung des Krankenhauses St. Damien standen viele Häuser plötzlich nicht mehr.
Der Innenhof des Krankenhauses war überfüllt mit Menschen, man wusste nicht ob sie verletzt waren oder ob es sich um Angehörige von Verletzten handelte oder Menschen, die einfach nur Unterschlupf suchten. Alle Menschen befanden sich außerhalb des Krankenhausgebäudes.
Zu Beginn war es unmöglich sich einen Überblick über die Patienten und über die Schwere ihrer Verletzungen zu verschaffen. Ein italienisches Ärzteteam hat die dringenden Notfälle behandelt, doch eine Liste mit Prioritäten gab es nicht. Die Situation war unvorstellbar. Es gab die doppelte oder gar dreifache Menge an Patienten, als normalerweise. Aber nur ein Drittel der Belegschaft war in den ersten Tagen anwesend und einsatzbereit.
Pater Richard Frechette hatte Dr. Peter Tinnemann gebeten, „etwas Ordnung“ in die Versorgung der Patienten zu bringen. Seine Hauptaufgabe bestand in der Organisation des Krankenhauses und in der Koordination der Hilfseinsätze. Er errichtete ein Triage-Zentrum, so dass alle Patienten gesehen und versorgt wurden. Patientenakten zu führen war zu Beginn unmöglich, deshalb haben die Ärzte auf den Gips der Patienten geschrieben, wann dieser angelegt wurde.
Laut Dr. Peter Tinnemann bildeten die haitianischen Angestellten und Pequenos Majores das Rückgrat in der katastrophalen Situation. Sie packten überall an, wo Hilfe benötigt wurde. Während die italienischen Ärzte sich nach ihren vielen OPs schlafen gelegt haben, hat ein junger Haitianischer Arzt nachts noch die OPs geputzt. Dr. Peter Tinnemann war überwältigt von der haitianischen Hilfsbereitschaft. Medizinstudenten kamen ins St. Damien Krankenhaus und boten ihre Hilfe beim Übersetzen an. Es kamen Helfer aus allen sozialen Schichten.
Eindrücke nach dem Einsatz als Arzt in Haiti / Teil 2
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