Liebe Freunde,
wir schätzen eure Anteilnahme, Gebete und Unterstützung sehr. Heute begannen die Arbeiter die Tonnen von Zement und Eisen abzubrechen und wegzufahren, die einmal unser Padre-Wasson-Zentrum in Petionville waren. Es ist für uns sehr wichtig, dass dieser Standort aufgeräumt wird, um dann dort mit etwas Neuem beginnen zu können. Ich bewundere immer noch die Gruppen von 20 bis 30 Leuten, die ohne Unterlass gruben, bis sie Dr. Castro und Erin fanden sowie die Leichen von Molly und Ryan. Wir wissen noch nicht genau, was wir dort wieder aufbauen werden, aber sicher ist, dass wir dort ein zentrales Denkmal errichten, gewidmet Molly und Ryan sowie all unseren haitianischen Freunden und Mitarbeitern, die anderswo in dieser Tragödie starben.
Wir vermissen schätzungsweise ca. 20 % unseres einheimischen Mitarbeiterstabes.
Einige sind in die USA gereist, einige tot, und andere sind noch mit ihrer persönlichen Tragödie beschäftigt. Wir wissen noch nicht, wie viele gestorben sind; das wird noch einige Zeit brauchen. Wenn wir eine genauere Vorstellung davon haben, werden wir eine Gedenk-Zeremonie für sie abhalten und eine Webseite zu ihren Ehren einrichten. Wir haben schon viele Messen für sie gehalten.
Im Kinderdorf in Kenscoff lief alles gut. Busse mit unseren Kindern von St. Helene kamen zum Krankenhaus, damit sie eine Vorstellung von den Problemen bekommen, für die Leidenden und die Toten beten und auch verletzte Kinder besuchen konnten.
Die Situation im Krankenhaus hat sich beruhigt; wir sind jetzt besser organisiert mit einer neu aufgebauten Infrastruktur. Patienten, die wir zur chirurgischen Behandlung auf das Krankenhausschiff USS Comfort geschickt haben, werden wieder zurück kommen, um in unsereren Einrichtungen zu genesen. Wir nehmen auch Patienten aus dem öffentlichen Krankenhaus auf und haben uns auf rund 200 postoperative Patienten eingerichtet.
Medizinische Teams aus vielen Ländern tun alles was sie können und arbeiten hervorragend zusammen. Vier medizinsche Teams gehen täglich in die Armenviertel. Das im Slum Christ Roi tätige Team arbeitet in dem einzigen dort erhaltenen Gebäude.
Eines unserer Teams ging nach Leogane und Jacmel, um zu beurteilen, ob und wie wir dort helfen könnten. Alfonso Leon und seine Gruppe waren in der Stadt, wo Kinder sich auf den Straßen sammeln, und haben Essen und andere Hilfe angeboten. Sie haben auch begonnen, nach Waisen und anderen ungeschützten Kindern zu suchen. Wir haben mit kostenloser Wasserausgabe mithilfe der beiden Tanklastwagen vom Hilfsprogramm St. Lukas und vom Kinderdorf St. Helene. Mit der Verteilung von Nahrungsmitteln beginnen wir morgen.
Gena Heraty und Norma Lopez bauen jetzt ein Team auf, das sich der Rehabilitierung der vielen Kinder und Erwachsenen widmen wird, die Arme und Beine verloren haben. Es ist ein bitter-süßes Gefühl durch unser Hospital zu gehen und so viele Kinder mit fehlenden Gliedmaßen zu sehen, die einem trotzdem ein großes Lächeln schenken.
Wir haben viele obdachlose Angestellte, die es vorziehen in einem Zelt zu leben statt auf unserem Gelände. Es ist wichtig dass sie ihre sozialen und familiären- Netzwerke am Leben erhalten. Wir hoffen ihnen in Zukunft kleine Behausungen geben zu können, die wir selbst in unserem Industriezentrum im Ausbildungs- und Werkstattzentrum St. Franziskus herstellen wollen.
Es gibt viele ehemalige Waisenkinder, die auch nicht wissen, wohin. Wir hoffen, in der Zwischenzeit Zelte für sie zu bekommen und Anlaufstellen zur Verpflegung einzurichten. Wir hoffen, ihnen eines Tages auch bei dem Wiederaufbau ihrer eigenen Unterkünfte helfen zu können.
Die Probleme sind überwältigend. Das Erdbeben wird bis weit in die Zukunft ernsthafte Auswirkungen auf Gesundheit, Erziehung, Familie, Leben, Beschäftigung und die gesellschaftliche Stabilität haben.
Bitte macht weiter mit euren wichtigen Gebeten und eurer Unterstützung für uns.
Nochmals Danke und Gott segne euch.
Pater Richard Frechette CP
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